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Meilensteine der Sprachentwicklung von 0 bis 5 Jahren
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Chapter 1
Ist das noch normal? – Die häufigste Elternfrage
Sarah
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Mundwerk, dem Logopädie-Podcast aus Schwerin! Ich bin Sarah, zweifache Mama – und heute geht’s endlich um das Thema, bei dem gefühlt jede Mutter oder jeder Vater irgendwann denkt: „Ist das noch normal? Wie entwickelt sich mein Kind sprachlich eigentlich?“
Markus
Schön, dass ihr wieder dabei seid! Ich bin Markus und – ehrlich gesagt – ich war auch als Vater oft ratlos, was man da eigentlich erwarten kann. Die Unsicherheit ist also wirklich weit verbreitet. Statistisch gesehen machen sich rund 70% aller Eltern Gedanken, ob ihr Kind vielleicht zu spät spricht oder zu undeutlich.
Sarah
Na, und da gibt’s ja diese fiesen Vergleiche auf dem Spielplatz, wenn jemand schon mit eineinhalb Sätzen raushaut und bei anderen ist es immer noch „Baba“. Das verunsichert schon total.
Markus
Genau! Dabei wissen wir aus der Forschung: Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Das Spektrum ist wirklich groß – und trotzdem gibt es ein paar Eckpunkte, die hilfreich sind. Heute wollen wir euch diese Meilensteine einmal ganz klar an die Hand geben. Dann wird’s ein bisschen leichter einzuschätzen, wann vielleicht professionelle Unterstützung ratsam sein könnte.
Sarah
Und am Ende gibt‘s natürlich auch wieder praktische Tipps, wie ihr euren Nachwuchs beim Sprechenlernen unterstützen könnt. Also, steigen wir einfach mal vorne ein – gleich nach der Geburt.
Chapter 2
Die ersten 12 Monate: Vom Schreien zum ersten Wort
Markus
Also, direkt nach der Geburt läuft ja mehr, als man denkt. Da herrscht noch kein „richtiges“ Sprechen – aber die Sprachentwicklung startet tatsächlich mit dem allerersten Schrei.
Sarah
Das hätte ich auch nie so gesehen. Für mich war Schreien einfach… naja, laut und anstrengend. Aber eigentlich ist das schon der Beginn, oder?
Markus
Absolut! Und daneben auch so Sachen wie Blickkontakt herstellen, dieses erste bewusste Lächeln – all das gehört zum kommunikativen Austausch. Und um den vierten bis sechsten Monat herum beginnt das berühmte Lallen. Also so Silben wie „baba“ oder „dada“. Ich finde, das klingt immer, als würden die Babys ihren eigenen Soundcheck machen.
Sarah
Haha, ja! Bei meinen Kids war das manchmal auch eher ein wildes Durcheinander, vor allem ab dem siebten Monat. Dann kamen immer mehr verschiedene Laute dazu, oder?
Markus
Genau. Zwischen sieben und zwölf Monaten wird das ganze Lallen bunter und es gibt immer mehr Variation. Und oft kommt gegen Ende des ersten Jahres so das erste richtige Wort – meistens irgendwas wie „Mama“ oder „Papa“.
Sarah
Und falls nicht – keine Panik. Das kann echt ganz unterschiedlich ausfallen. Aber das erste bewusste Wort ist schon so ein kleiner Meilenstein, finde ich. Dann hat man das Gefühl „Wow, jetzt geht es richtig los!“
Chapter 3
Das zweite Lebensjahr: Der Wortschatzspurt
Sarah
Und dann – zack – plötzlich kommen immer mehr Wörter. Ich erinnere mich, dass ich manchmal morgens dachte: „Gestern konnte sie das noch nicht sagen!“
Markus
Zwischen zwölf und 18 Monaten geht das meist langsam los: Zehn bis fünfzig Wörter sind für diesen Zeitraum ganz normal. Und dann, irgendwann zwischen 18 und 24 Monaten, beginnt so ein richtiger Wortschatzspurt. Da kommen oft täglich neue Begriffe dazu.
Sarah
Das ist die Zeit, wo Eltern wirklich staunen. Plötzlich ist jedes Objekt und jedes Tier interessant, alles wird benannt – und man sollte echt aufpassen, was man selbst so vor sich hinmurmelt.
Markus
Oh ja – spätestens jetzt merkt man, wie schnell die Kleinen lernen. Mit 24 Monaten – also so zwei Jahren – sollten ungefähr 50 Wörter aktiv gesprochen werden. Und es zeigen sich die ersten Zwei-Wort-Sätze wie „Mama Ball“ oder „Katze schlafen“.
Sarah
Und das ist übrigens DIE Grenze… also, wenn ein Kind mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter spricht oder noch keine Zweiwort-Kombis bildet, dann spricht man von „Late Talker“. Das ist erstmal kein Weltuntergang, aber da sollte man schon mal genauer hinschauen oder beraten lassen.
Markus
Richtig, da kommen wir später nochmal drauf. Aber wichtig ist: Nicht jedes Kind ist gleich – aber es gibt eben so gewisse Orientierungspunkte.
Chapter 4
Das dritte bis fünfte Jahr: Grammatik und Schulvorbereitung
Markus
Ab dem dritten Geburtstag passiert richtig viel. Die Sätze werden länger, die Kinder kommen in die sogenannte Grammatikphase. Mit drei Jahren kann man oft schon Drei- bis Vierwortsätze hören, der Wortschatz liegt bei etwa 200 bis 500 Wörtern.
Sarah
Du, das merkt man ja auch. Die Geschichten werden komplizierter, es wird diskutiert… meistens auch sehr kreativ. Und mit vier Jahren, wie geht’s da weiter?
Markus
Dann sind schon komplexe Haupt- und Nebensätze dabei, und der Wortschatz wächst auf bis zu 1.000 bis 1.500 Wörter! Ich sage mal so: Spätestens jetzt kommt das berühmte „Warum“-Alter, mit unzähligen Fragen pro Tag.
Sarah
Absolut… da wird man als Elternteil gerne mal ins Schwitzen gebracht. Und so um den fünften Geburtstag sollten dann wirklich fast alle Laute korrekt gebildet werden, oder? Außer das R, das darf noch ein bisschen dauern…
Markus
Ja, genau. Die saubere Aussprache ist jetzt nochmal wichtig, denn Fehler können später die Rechtschreibung beeinflussen. Da lohnt es sich also, ein offenes Ohr zu haben, wenn es Richtung Schule geht.
Chapter 5
Häufige Fragen: Zweisprachigkeit, Geschlecht, Abwarten
Sarah
Vielleicht kurz noch zu den Dauerbrenner-Fragen aus dem Familienalltag, Markus: Wie ist das eigentlich bei Kindern, die mit mehreren Sprachen aufwachsen?
Markus
Gute Frage! Das ist oft ein Thema in der Praxis. Zweisprachige Kinder haben in jeder einzelnen Sprache manchmal einen kleineren aktiven Wortschatz – aber der Gesamtwortschatz ist in der Regel im Normalbereich für ihr Alter. Also kein Grund zur Sorge!
Sarah
Und dann heißt es manchmal: „Jungs sprechen eh später…“ Stimmt das überhaupt?
Markus
Naja, im Schnitt fangen Jungen tatsächlich zwei bis drei Monate später mit dem Sprechen an als Mädchen. Aber dieser Unterschied ist wirklich klein – und ehrlich gesagt, keine Ausrede, alles auf später zu verschieben.
Sarah
Jetzt kommt ja noch das berühmte „Abwarten, das wird schon!“ Aber das kann gefährlich sein…
Markus
Ja, denn ungefähr die Hälfte der sogenannten „Late Talker“ holen alles von selbst auf. Die andere Hälfte braucht Unterstützung, sonst können sich die Schwierigkeiten festigen. Deshalb: Lieber einmal zu viel nachfragen und abklären lassen als zu wenig, falls man unsicher ist.
Chapter 6
Praktische Tipps und nächste Schritte
Sarah
So, und bevor wir Schluss machen, kommen hier noch meine drei liebsten Tipps zum Thema Sprachförderung: Erstens – redet im Alltag ganz viel mit eurem Kind, beschreibt, was ihr macht. Zweitens – einfach jeden Tag zehn Minuten vorlesen, das reicht völlig. Und drittens – wenn das Kind etwas falsch sagt, nicht schimpfen oder direkt korrigieren, sondern einfach sanft richtig wiederholen.
Markus
Und wenn ihr euch fragt, ob ihr euch an eine Praxis wenden solltet: Spätestens, wenn mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter da sind, mit drei keine Dreiwort-Sätze gebildet werden oder mit fünf noch viele Laute fehlerhaft sind, ist professionelle Beratung sinnvoll.
Sarah
Genau – bei uns in der Praxis Mundwerk in Schwerin gibt’s auch einen ausführlichen Blogartikel zum Thema. Und ihr könnt uns erreichen unter 0385 565728 oder auf mundwerk-schwerin.de. Die Kontakte packen wir euch wie immer in die Shownotes.
Markus
Dann bleibt uns nur zu sagen: Ganz viel Geduld und Gelassenheit – es gibt Orientierung, aber die Entwicklung verläuft eben bei jedem ein bisschen anders. Wir sind beim nächsten Mal wieder für euch da, wenn wir noch tiefer in die Welt der Sprache eintauchen.
Sarah
Danke, Markus! Und danke euch fürs Zuhören – bleibt gesund und neugierig auf alles rund ums Sprechen. Bis zur nächsten Episode!
Markus
Tschüss Sarah, tschüss an alle Zuhörer – bis bald!
